Mehr oder weniger

Der erste epileptische Anfall meines Lebens machte auf einen Tumor in meinem Gehirn aufmerksam.
Wenig später sagte man mir, ich hätte noch drei Jahre zu leben.
Vielleicht etwas mehr.
Vielleicht etwas weniger.
Als das passiert, bin ich 51 Jahre alt.
Seitdem denke ich ziemlich oft ans Sterben.
Jeden einzelnen Tag tue ich das und mir gehen dabei ziemlich viele Dinge durch den Kopf. Nicht selten fühlt sich das so an, als würden das mein gesamtes Leben, alle meine Erfahrungen gleichzeitig sein. Das ist ziemlich anstrengend und brachte mich auf die Idee, einen Teil meiner Gedanken auszulagern.
Außerdem möchte ich das in meinem Leben mitunter mühsam Erlernte an meine Kinder und Enkekinder weiter geben. Warum sollten sie ihre Lebenszeit damit vergeuden, meine Fehler zu wiederholen?
Am liebsten wäre es mir, ich könnte ihnen das Meiste davon selbst erzählen. Aber wie ich weiß, sind sie gerade sehr beschäftigt damit, ihr eigenes Leben zu leben.
Da bleibt wenig Zeit für Geschichten.
Und so schreibe ich auf, was ich zu sagen habe.
Lesen kann das, wer mag und wer Zeit dafür findet.